Fahrer füllen statt Diesel eine billige Alternative in den Tank. In jedem Supermarkt erhältlich
Mit den steigenden Preisen für Kraftstoffe tauchen in den sozialen Netzwerken erneut Tipps auf, wie sich bei jedem Tankvorgang sparen lässt. Einer der viralen Trends zeigt Autofahrer, die anstelle von Diesel gewöhnliches Sonnenblumenöl aus dem Supermarkt in den Tank füllen. Auf den ersten Blick wirkt das zwar wie eine interessante Idee, tatsächlich kann sie jedoch große Probleme verursachen. Laut einem Experten handelt es sich zudem um Steuerhinterziehung!
Selbst ältere Autos kommen damit nicht zurecht
Das Internet ist in diesen schwierigen Zeiten voller vermeintlich sicherer Ratschläge, wie sich die Betriebskosten eines Autos senken lassen. Das Problem ist jedoch, dass viele davon am Ende mehr Schaden als Nutzen anrichten können. Das bestätigt aktuell auch ein Trend in den sozialen Medien, bei dem Menschen Sonnenblumenöl als günstigere Alternative zu Diesel in ihre Fahrzeuge tanken. Früher war das teilweise ein verbreitetes Phänomen, doch mit dem Aufkommen moderner Motoren ist das längst nicht mehr praktikabel.
Heutige Dieselmotoren sind für genau definierte Kraftstoffe konstruiert, die strenge Normen erfüllen müssen. Jeder Versuch außerhalb der empfohlenen Spezifikationen kann mit teuren Reparaturen enden. „Herkömmlicher Dieselkraftstoff muss die Norm EN 590 erfüllen, alternative Kraftstoffe auf pflanzlicher Basis hingegen die Norm EN 15940. Wenn ein Kraftstoff diese Anforderungen nicht erfüllt, kann der Motor nicht korrekt arbeiten, beschädigt werden oder im Extremfall gar nicht starten“, erklärte der Techniker Stefan Kerbl in einem Interview für das österreichische Portal Heute.
Viele argumentieren dennoch, dass es Biodiesel gibt – warum also sollte Speiseöl nicht funktionieren? Die Antwort des Experten ist eindeutig: „Selbst Biodiesel kann in den meisten modernen Fahrzeugen nicht uneingeschränkt getankt werden, sondern wird üblicherweise nur in gesetzlich festgelegten Anteilen dem herkömmlichen Diesel beigemischt.“ Die Eigenschaften von gewöhnlichem Pflanzenöl aus dem Supermarkt entsprechen schlicht nicht den Anforderungen moderner Einspritzsysteme und Verbrennungsprozesse.
Die Probleme betreffen zudem nicht nur neue Fahrzeuge. Auch ältere Dieselmotoren können laut dem ÖAMTC-Techniker ohne spezielle Umbauten nicht korrekt mit reinem Pflanzenöl betrieben werden. Der Grund liegt in der schlechteren Zündfähigkeit und Verbrennung, was unter anderem dazu führen kann, dass unverbranntes Öl ins Motoröl gelangt. Eine solche Mischung bedeutet zwangsläufig erhöhten Verschleiß und ein erhebliches Risiko für Motorschäden. Aus dem vermeintlich günstigen Tanken kann so schnell eine Werkstattrechnung in Höhe von mehreren tausend Euro werden.
Es kann sich um Steuerhinterziehung handeln
Neben der technischen Seite hat das Problem auch eine rechtliche Dimension. Stefan Kerbl weist darauf hin, dass Fahrer stets den vom Hersteller vorgeschriebenen Kraftstoff gemäß Betriebsanleitung verwenden sollten – andernfalls droht beispielsweise der Verlust der Garantie. Noch gravierender kann jedoch die Sicht des Staates sein. Pflanzenöl aus dem Handel gilt nämlich als Lebensmittel und nicht als Kraftstoff und unterliegt daher einer anderen steuerlichen Behandlung.
Genau deshalb kann die Verwendung solcher Stoffe im Fahrzeugtank als Steuerhinterziehung gewertet werden. Mit anderen Worten: Der Versuch, teuren Diesel mit Speiseöl zu umgehen, ist nicht nur technisch unsinnig, sondern kann auch zu ernsthaften Problemen mit den Behörden führen.